> staatl. anerk. Physiotherapeutin

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> Abschluss der Humanosteopathie an der Still Academy

Die gute alte Hühnersuppe

Na sowas - es hat ja in den letzten Jahren viele Superfoods gegeben, von speziellen eingereisten Beeren, über Chiasamen, Südfrüchte und speziellen Heilpilzen oder Meeresalgen. Und jetzt schreibe ich für alle die es wissen wollen ein kleines Heftchen über Hühnersuppe - das neue alte Superfood! Das Lebenselexier vergangener Tage - ein Fossil aus Großmutters (oder bei den meisten vielleicht sogar eher schon Urgroßmutters) Küche zur Verwendung nach grippalen Infekten. Kennen tut sie jeder, naja vielleicht noch nicht selber mal gegessen, doch von der guten alten Hühnersuppe für die Seele hat mehr oder weniger jeder schon mal gehört. Doch irgendwie ist sie ausgezogen aus den modernen Küchen, die Hühnersuppe für die Seele - nicht überall, doch insgesamt recht flächendeckend wie ich zunehmend begreife. Denn wenn ich den mütterlichen Rat mit auf den Weg gebe, dass es nun Zeit für eine gute Hühnersuppe aufzusetzen um den Erkältungsviren zu trotzen, oder die Knochen und den Darm zu stärken, ernte ich tendenzielle erstaunte Blicke die gar nicht selten damit unterstrichen werden, dass “man” sich nicht ganz sicher sei, ob die im Schrank verstaubte Tütensuppe mit den feinen Buchstabennudeln nicht längst abgelaufen sei. Weil ich in der Vergangenheit recht häufig aufgeklärt habe, dass sicherlich die Tütensuppe eine gute Maßnahme gegen Hunger bei Zeitknappheit sei, nicht jedoch als Elexier zum Aufbau, zur Regeneration und schon gar nicht als Heilmittel für die Seele verwendet werden könne, mache ich mir hier die Mühe, etwas zum Nachlesen zusammenzuschreiben. Ich habe die Hühnersuppe nicht erfunden und möchte mich hier nicht mit falschen Federn schmücken, doch ich bin motiviert ein Stück Tradition, menschliche Geschichte und altes Wissen weiterzugeben und hoffe auch, Euch damit zu motivieren mit echter Nahrung gut für Euch zu sorgen.

Wie weit ich selber davon entfernt war frische und nährende Mahlzeiten für meine Familie auf den Tisch zu bringen ist mir ganz besonders an einem Tag bewusst geworden, als ich mit meinen noch sehr kleinen Töchtern (zu diesem Zeitpunkt 2 und 4 Jahre alt) ein interessantes Gespräche auf einer Fahrt zum Supermarkt hatte. Beide waren recht verschnupft und ich hatte beim Losfahren mitgeteilt, dass wir nun zum Einkaufen fahren würden, um ein schönes Suppenhuhn zu kaufen, damit ich ihnen gegen die Erkältung eine schöne Hühnersuppe kochen könnte. Das Entsetzen hätte wohl kaum größer sein können. Vor den Augen der beiden flatterte offensichtlich ein lebendiges Huhn freiwillig in den Kochtopf. Bestätig wurde dies mit der Frage, ob es mit Augen in den Topf käme. Meine Erklärung im Anschluss war offensichtlich nicht klärend, denn ich wurde daraufhin belehrt, dass man Tiere schliesslich nicht essen könne. Das war einer dieser Momente, in denen mir klar wurde, dass es wirklich wichtig ist, die Kinder in das Zubereiten “echter” Nahrungsmittel einzubinden. Denn bis genau zu dieser besagten Fahrt zum Supermarkt hatte ich zugegeben selber freiwillig noch nie ein totes gerupftes Tier in der Hand gehalten, dass im ganzen noch als Tier erkennbar war.

Ich musste feststellen, dass es ein großer Unterschied ist, eine Wurst, oder ein paniertes Schnitzel in die Pfanne zu hauen, dessen Identität nicht mehr wirklich zu erkennen ist oder aber ein nacktes gerupftes Hühnchen abzuwaschen und in den großen Topf zu legen. Auch als Nichtvegetarierin ist es mir wirklich erstaunlich schwer gefallen, ein erkennbares Stück Tier mit Haut und Knochen zuzubereiten. Es hat mich in den Anfängen gegruselt und sogar geekelt, obwohl ich gerne Fleisch gegessen habe. Mir gingen aber die köstlichen und nährenden Suppen aus meiner Kindheit nicht aus dem Kopf und ich bin heute mehr denn je der Überzeugung dass es wichtig ist, sie zubereiten zu können, damit sie wöchtlich den Familientisch bereichern.

Ich weiss aus eigener Erfahrung selber nur zu gut, dass Stress, Zeitknapp und die verschobenen Bedürfnisse in den jungen Familien in nur relativ kurzer Zeit dazugeführt hat, dass der Herd kalt bleibt, Fertiggerichte zubereitet werden, oder die ganze Familie auswärts in Kantinen isst. Kochen ist eben nicht gleich kochen habe ich in Gesprächen mit vielen Menschen in unterschiedlichen Alterklassen feststellen dürfen. Und selbstredend hat jede Familie das Recht ihre eigene Esskultur zu entwickeln.

 

Das “Rezept” ist hier für Euch ist in diesem kein klassisches Rezept, denn ihr könnt es nach euren Bedürfnissen und nach dem was gerade da ist anpassen. Der Konsum von Fleisch ist in diesen Zeiten nahezu ein religiöses Thema geworden, und es liegt mir fern hier jemanden zu missionieren. Wird ein Tier für unsere Mahlzeit sein Leben lassen, so sollten wir versuchen so viel wie möglich von ihm zu verwerten und die Mahlzeit und ihren wertvollen nährenden Beitrag für unser Leben zu würdigen und wertzuschätzen. Besonders wertvoll und damit nahezu unerlässlich ist es beim Kauf des Fleisches und der Knochen auf die Haltung zu achten. Weidetiere, die Kontakt mit frischem Grün, Licht, Luft und Bewegung hatten, liefern ungemein mehr Nährstoffe. Zudem gilt es auch hier das Tierwohl und die artgerechte Haltung zu beachten. Glücklicherweise liefern uns glückliche Tiere, die im Grünen unter freiem Himmel Zeit verbringen durften auch mehr verwertbare Inhaltsstoffe. Für das Wachstum und die Entwicklung von Kindern ist aus meiner Perspektive tierisches Fett und Eiweiß unerlässlich. Es gibt viele weitere Gründe auch als erwachsener Mensch täglich ein Tässchen gute Brühe (egal welches Tier) zur sich zu nehmen. Durch das Mitkochen von Haut, Gelenken samt Knorpel und Knochen und sogar den Innereien wird daraus ein wahres Superfood für die menschliche Maschine und ist damit für mich auch Teil einer artgerechten und gesundheitsfördernden Kost für mich und meine Familie. Darüber ist zum Glück schon viel geschrieben worden, so dass ich Euch bei wachsendem Interesse für dieses Thema folgende Literatur dringend empfehlen möchte:

“Die neue traditionelle Ernährung” von Heidi Beeck und Esma Storck

“Die Supersuppe” von Sally Fallon Morrel

 

Hier nun mein Rezept für die gute Hühnerbrühe, die bei kurzer Kochzeit 1,5 - 3 Stunden zu einer sogenannten Fleischbrühe wird. Bei längerer Kochzeit bis zu 24 Stunden wird aus gleichem Ansatz eine sogenannte Knochenbrühe, bei der durch die Länge der Zeit mehr Inhaltsstoffe aus den Knochen gelöst werden konnte. Gut für die eigenen Knochen und Zähne, manchmal aber noch zu viel für einen empfindlichen Darm, daher empfehle ich bei Unverträglichkeiten und allgemeinen Problemen mit dem Verdauungssystem zunächst mit der Fleischbrühe zu starten.

Im Falle von Gesundheit ein Tässchen pro Tag, im Falle von Krankheit bis zu fünf!

 

Fleisch am Knochen (ein ganzes oder halbes Suppenhuhn, Beinscheibe, Fasan, etc.)  in einen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken

Optional - aber in meinem Fall nahezu immer im Topf enthalten:

 

Lorbeerblätter

 

Wacholderbeeren

 

kleines Stück Ingwer

 

ganze Pfefferkörner (rot und schwarz)

 

Stück Porree

 

Möhre (n)

 

Stück Sellerie (Knolle oder Stange)

 

ganze Zwiebel (n) mit Schale für die schöne Farbe

 

Schuss organischer Apfelessig (gerne mit Mutter)

 

Petersilie (frisch oder getrocknet)

 

kein Salz beim Kochen - erst später zum Würzen

 

 

Ich halte es unkompliziert - ich gebe alles in einen großen Topf (am Liebsten in dem einfachen großen Slowcooker über Nacht) und lasse es je nach Zeit und Bedarf köcheln.

Nur noch ein kleiner Tip am Rande. Wenn ihr eine eher kurz gekochte Fleischbrühe macht, könnte ihr das Fleisch für Salat, Frikassee und Co vom Knochen nehmen und die Brühe z.B. Soße und das tägliche Tässchen “Zaubertrank” verwenden. Danach könnt ihr das Gerippe samt Gelenken und Haut erneut aufsetzen und es in gleicher Manier länger kochen lassen für eine Knochenbrühe. So wird alles nachhaltig und ethisch vertretbar bestmöglich verwertet.